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LORENZ GRIEDER   „GIARDINI"

Malerei & Zeichnung

Das Thema der aktuellen Ausstellung von Lorenz Grieder sind Gärten – Giardini: von Menschenhand geschaffene Landschaften, die uns Natur in unterschiedlichsten Erscheinungsformen näherbringen. So erleben wir die prächtigen maurischen Gärten der Alhambra als Sinnbild des Paradieses. Die Barockgärten Le Nôtres hingegen widerspiegeln den Anspruch, die Natur zu ordnen, zu zähmen und zu kontrollieren – im Einklang mit dem Ideal absolutistischer Herrschaft.

Moderne Gartenkonzepte sind dagegen zunehmend naturnah geprägt. Lorenz Grieder formuliert hierzu: „Wichtig sind mir Aspekte des der Natur nahen Seins, der Nachhaltigkeit und des Sich-Kümmerns, des Durchdringens und des Verstehens. Diese Begriffe haben, meiner Meinung nach, ihre Wurzeln tief im Frieden – in unserer Gegenwart ja wohl nicht ganz unwichtig. Rilke sprach vom ‚Gesang‘ in den Dingen, in der Natur – und da liegen meine Vorstellungen von Rhythmus und Struktur ganz nahe dabei. Zudem ist Gartenarbeit immer eng an Geduld gebunden – denn, wieder Rilke: ‚Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann …‘“

Unsere Vorstellung von Gärten ist meist geprägt von sattem Grün und farbenfrohen Blüten. Umso überraschender ist die schwarz-weisse Erscheinung von Grieders Arbeiten. Diese ergibt sich unmittelbar aus der Technik ihrer Entstehung: Ausgangspunkt waren die Deckblätter, mit denen der Künstler seine Arbeiten auf Papier während des Schaffensprozesses abdeckte, um sie zu schützen und ein Verwischen der Zeichnungen zu vermeiden. Die dabei entstehenden Abdrücke offenbarten überraschende Strukturen, die pflanzliche Assoziationen weckten und zugleich einem eigenen Rhythmus folgten.

Aus dieser Beobachtung entwickelte Grieder vielschichtige Arbeiten, sogenannte Palimpseste, in denen frühere Bildschichten durch behutsames Abschleifen wieder freigelegt werden – eine Technik, die bereits seit der Antike bekannt ist. Dazu der Künstler: „Das Vielschichtige in meinen Palimpsesten ist auch Ausdruck des Umgangs mit Zeit und ihren Kulturen.“ Es entstehen Bilder von erstaunlicher Tiefenwirkung, in denen kleine Strukturen Grosses bergen. Sie verweisen auf antike Relikte und kulturelle Zitate und entfalten sich im übertragenen Sinn zu „kulturellen Gärten“, deren Entstehen sich als eine Form kultureller Archäologie lesen lässt.